Social Media Experte (m/w) – so finden Sie ihn oder werden selbst zum Experten! Eine Anleitung.

Social Media

Mit einem vollen Rucksack von Themen kehre ich von der Zukunft Personal 2010 zurück, wo ich in zahlreichen Gesprächen am kununu Messestand und im Nachgang meines Vortrags zu HR Social Media die Gelegenheit hatte, die Themen, Frage- und Problemstellungen, die Personaler rund um Social Media im HR Einsatz bewegen, zu identifizieren.
Abgesehen davon, dass auf der Zukunft Personal 2010 deutlich zu beobachten war, dass das Thema Social Media in Personalabteilungen eines der beherrschenden Themen ist, fragten sich (und mich) zahlreiche Personaler, wo sie einen „Social Media Experten“ zur Unterstützung ihrer Personalarbeit, finden und welche Qualifikationen ein/e solche/r mitbringen muss. – Inspiration genug um diesen Beitrag zu verfassen.

Das Interesse an Social Media Experten scheint groß zu sein. Sucht man auf monster.de mit dem Stichwort „Social Media“ so bekommt man 282 ausgeschriebene Stellenanzeigen angezeigt. Imposante 63 davon werden von den namhaftesten Unternehmen der JobStairs-Community (einem Zusammenschluss der 50 größten Unternehmen im DACH Raum) ausgeschrieben. (jobstairs.de)

Für Sie – der/die vielleicht ebenfalls nach einer solchen Person Ausschau hält, habe ich 3 Nachrichten – eine gute und zwei schlechte.

Die zwei schlechten Nachrichten zuerst:

#1. Es wird nicht leicht werden diesen „Experten“ für Ihr Haus zu gewinnen, da durch den Umstand, dass die attraktivsten und bekanntesten Unternehmen derart viele Social Media Stellen zu besetzen haben, es für kleinere und unbekannte Unternehmen schwer werden wird, Talente für ihr Unternehmen zu begeistern. (das übliche Problem setzt sich auch hier fort …)

#2. SM Experten gibt es nicht wie Sand am Meer! Jemand, der ein wahrer Experte ist und nur einen Funken Verstand hat, macht sich als Social Media Berater selbständig und will nicht in einem Vollzeit-Arbeitsverhältnis arbeiten. In diesem Markt herrscht derzeit ein solch hoher Beratungs-Bedarf, daß SM Experten (mit guten Referenzen) wie die berühmten warmen Semmeln, vergriffen sind.

Nun zur guten Nachricht:

Social Media ist nicht rocket-science! Es ist relativ einfach SM Kompetenz – noch dazu CI-konform – bei Personen aufzubauen bzw. gedeihen zu lassen – vorausgesetzt Sie finden den/die Richtige/n mit dem richtigen skill-set, auf das ich nun im Detail eingehen möchte:

Prüfen Sie beim Background-Check bzw. sprechen Sie folgende Kriterien beim Bewerbungsgespräch an bzw. setzen Sie diese schon in der Stellenausschreibung voraus:

Was einen Social Media Experten ausmacht: (im Text verwende ich „Experte“ geschlechtsneutral)

1. Umgang mit Social Media Kanälen – wie nutzte der Experte SM Kanäle bisher?

Facebook – Achten Sie hier auf Dinge wie:

- Benutzt der „Experte“ Facebook um sein Inneres nach Außen zu kehren oder nutzt er Facebook zum Aufbau einer digitalen Identität, die bei Bewerbung und Karriere nicht hinderlich ist. -> Das zeugt von einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Medium, Weitblick und der Fähigkeit Informationen auf deren SM-Tauglichkeit einzuschätzen.

- Welche Seiten zählen zu seinen „Fan-Seiten“? -> Dies läßt viele Rückschlüsse auf seine Persönlichkeit und Interessen zu.

- Achten Sie generell auf die „Qualität“ seiner Facebook Seite: Qualität der Beiträge, der Fotos, der Links, der Freunde.

Twitter – Achten Sie hier auf Dinge wie:

- Ist der „Experte“ eher ein „Tweeter“ (jemand, der aktiv Beiträge verfasst) oder ein „Re-Tweeter“ (jemand, der Twitter als Nachrichtenkanal benutzt und qualitative Beiträge an seine Folgschaft=follower weiterleitet)? Ein Tweeter ist einem Re-Tweeter vorzuziehen, da er sich die Mühe macht, Beiträge (idealerweise mit Mehrwert) zu verfassen und die Kunst beherrscht, Nachrichten auf 140 Zeichen zu komprimieren.

- Wieviele „follower“ weist der „Experte“ auf? Eine hohe Anzahl von followern bei Privatpersonen, lässt auf eine hohe Qualität seiner Twitter-Beiträge schließen. (oder auf einen großen Freundeskreis ;-))

- Achten Sie auch hier auf die Qualität seiner Twitter-Beiträge analog zu Facebook.

Übrigens #1 – eine Nicht-Existenz des „Experten“ auf Facebook, Twitter oder XING ist unverzeihbar, da er zumindest zum Erlernen der Funktionsweise der Tools, Präsenzen pflegen sollte!

Übrigens #2 – obwohl Facebook Background-Checking verboten werden soll/wurde, erachte ich es als absolut legitim einen SM „Experten“ anhand dieser Kanäle zu überprüfen, da diese seine Referenzen/Arbeitszeugnisse sein sollten.

2. Social Media Know-How

Fragen Sie nach seinen Informationsquellen zu Social Media und welche Bücher er hierzu gelesen hat.

Ein „Experte“, der z.B. Internet World Business (Internet-Fachzeitung) und Wired (Internet-Fachmagazin) nicht abonniert hat und/oder „Social Media Marketing“/Weinberg bzw. „Socialnomics“/Qualman nicht gelesen, techcrunch.com, deutsche-startups.de, mashable, somain.org, web2null.de nicht als Lesezeichen abgespeichert hat, hats nicht verstanden …..

Sie könnten auch hier über die Personensuchmaschine yasni.de in seine Amazon-Wunschliste einsehen und ersehen aus dieser, wie tief sein SM Interesse wirklich geht.

Genauso gehört zum SM-Experten-Know-How die geschichtliche Entwicklung der SM Kanäle, die Gründerstories etc. um deren zukünftige Entwicklung einschätzen zu können.

3. Social Media Awareness

Fragen Sie den „Experten“ nach seiner Meinung bzw. Know-How zu Themen wie „Social Media Policy“, „Social Media und Arbeitsrechtfragen“, Beispielen für „Social Media Fehler“ durch Unternehmen bzw. Personen (Dell, Nestlé, Jack Wolfskin, Vodafone UK etc….)

Der „Experte“ muss sich der Tragweite seiner Taten und Wichtigkeit seiner Handlungen für Ihre Arbeitgebermarke/- reputation bewusst sein und je mehr er Ihnen zu den obigen Themen erzählen kann, desto mehr hat er sich auch kritisch mit der Kehrseite der Social Media Medaille auseinandergesetzt – ein wichtiger erster Schritt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Facebook & Co. – im Namen Ihres Unternehmens!

Tipp: Am besten lassen Sie jeden Bewerber eine A4 Social Media Guideline erstellen – das gibt Ihnen einen sehr guten Einblick in die Denkensweise des “Experten” zu SM. Man erliest was ihm/ihr wichtig erscheint (bedenkend, dass er/sie sich von einer privat in SM handelnden, zu einer in Unternehmens-Auftrag handelnden Person wandelt) und zwingt zu einer Vorab-Auseinandersetzung mit den Schattenseiten von Social Media.

4. Social Media Openness

Neben dem obigen Check ob der „Experte“ schon früher offen für viele Social Media Kanäle war, ist eine andauernde Offenheit für sämtliche SM Kanäle enorm wichtig. Ein „Experte“, der persönlich eine Abneigung gegen einen Social Media Kanal hegt und dabei übersieht, dass sich dort vielleicht (auch wenn es ihm widerstrebt, er es nicht wahrhaben möchte oder versteht) eine wichtige Zielgruppe für Ihr/sein Unternehmen bewegt, gehört hinter den Mond geschossen. (Nebensatz: Erleben wir gerade oft beim Thema kununu.com …deshalb bin ich hier bißchen emotional ;-))

5. Social Media Tools

Fragen Sie den „Experten“ doch einmal, wo man die „Privatsphäre-Einstellungen“ auf Facebook vornimmt und wieviel „Privatsphäre“ auf Facebook wirklich möglich ist, wie man verhindert, dass man bei Facebook Fotos vertaggt wird, bzw. Tags entfernen kann oder fragen Sie Ihn wie man sich auf Twitter sämtliche Beiträge zu einem Thema anzeigen lassen kann. (#siemens)

Fragen Sie ihn ob er Google Alerts, cotweet.com oder technorati.com kennt (Stichwort: Social Media Monitoring) und anzuwenden weiß.

6. 24/7

Ein echter Social Media Experte scheut nicht davor zurück, auch am Wochende zum Smartphone zu greifen und auf Beiträge zu Ihrem Unternehmen zu reagieren. Auch Allzeit-Bereitschaft zum Dialog mit z.B. Bewerbern, auf den von Ihnen gepflegten Social Media Kanälen, ist eine wichtige Voraussetzung. Nun …. hierfür muss Ihr Social Media Experte Ihr Unternehmen wirklich lieb haben, um diese Bereitschaft (wenn vielleicht auch nie notwendig umzusetzen) einzugehen.

Sie sehen – so einfach ist „Expertentum“ auf dem Gebiet Social Media nicht und geht weit über die Existenz des Bewerbers mit einem Account auf Facebook oder Twitter hinaus. Auch das Verfassen einer Diplomarbeit zu Social Media qualifiziert nicht Jeden zum „Experten“.

Ein echter Social Media Experte weist eine hohe Flexibilität bei der Nutzung von Social Media, Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Kanälen, ständige Fortbildungs- und Lernbereitschaft, solides technologisches Grundverständis des Internets und ein ganzheitliches Verständnis der Psychologie von Social Media auf (!).

Wenn Sie eine Person finden, die 50% der obigen skills aufweist, so besteht eine große Chance, dass diese sich zu einem „Experten“ entwickeln kann. Ein echter „Experte“, der sich als solcher auch bezeichnet muss für mich 100% der obigen skills aufweisen – ansonsten ist er ein Blender …… und davon gibt es zurzeit unter Bewerbern wie auch Personalberatern, Personalmarketing-Agenturen, „Social-Media-Agenturen“, Vortragenden, Seminarveranstaltern etc. genug.

Seien Sie skeptisch, hinterfragen Sie und lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen.

Wichtig: Sie können den besten SM Experten in Ihrem Unternehmen beherbergen – er wird sich an seinen Aufgaben die Zähne ausbeißen, wenn Ihr Haus selbst nicht Social Media-tauglich/fit ist. D.h. wenn kurze und/oder Entscheidungswege fehlen, keine Offenheit für Dialog oder Feedback (positiv wie negativ!), Unklarheiten in der SM Kompetenzverteilung zwischen GF, Kommunikation, HR, Marketing bestehen oder keine Möglichkeiten für eine authentische Darstellung (z.B. Verbot von Fotos vom Arbeitsalltag) des Arbeitgebers die Arbeit eines SM Experten erschweren, dann wirds doppelt schwer: einen Experten zu finden und längerfristig im Unternehmen zu halten.

Übrigens: Wenn ich heute einen Social Media Verantwortlichen für mein Unternehmen suchen würde, würde ich eine junge Person, frisch von der Uni schnappen und nach meinen Wünschen formen – vorausgesetzt diese erfüllt 50% der obigen skills. Zuvor würde ich auf Facebook, Twitter und Co. eine Präsenz einrichten und erste Erfahrungen sammeln, oben erwähnte Bücher lesen, die oben erwähnten Zeitschriften und Magazine abonnieren und mir die obigen Webseiten als Lesezeichen abspeichern und regelmässig aufrufen ;-) ;-) ;-)

Ich freue mich auf Ihr Feedback/Kritik/I likes/Re-Tweets.

Herzlich grüßt Martin Poreda

2010
18
Okt

Social Media Marketing – und der sagenumwobene virale Effekt

Eine der wesentlichen Eigenschaften von Social Media Marketing betrifft den vielumworbenen viralen Effekt. Unter viralen Effekt oder auch Virales Marketing genannt, versteht man die virusartige Verbreitung eines Inhaltes (Information, Nachricht, Artikel, Video etc.) innerhalb im Internet. Das Aufkommen von sozialen Plattformen wie Facebook, Youtube oder Twitter beschleunigte das Aufkommen von viralen Effekten.

Wie bei Social Media generell, können virale Effekte positive, als auch negative Auswirkungen auf ein Unternehmen haben: Das auf YouTube hochgeladene Firmenvideo kann bei Zustimmung binnen kürzester Zeit von zig-Usern verbreitet werden und so eine nie erwartete Reichweite erzielen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Fun-Video zum Thema “Virales Marketing”, das bisher von mehr als 3,3 Millionen Usern aufgerufen wurde. Ebenso rasch und reichweitenstark kann sich die Nachricht über ein fehlerhaftes Produkt oder eine mangelnde Dienstleistung eines Unternehmens verbreiten – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Online-Reputation.

Der beste virale Effekt für Unternehmen als Arbeitgeber: Feedback der Mitarbeiter via kununu
Was heißt das für ein Unternehmen in seiner Rolle als Arbeitgeber? Ein viraler Effekt dazu geht von den Mitarbeitern des Unternehmens aus. Und genau da setzt kununu an  – durch die Bewertungen von Arbeitnehmern.

So verbreitet sich der kununu-Virus:

  1. Auf kununu berichten Mitarbeiter von ihrer Zufriedenheit in der Firma
  2. Bewerber suchen nach neuen, interessanten Karrierechancen mithilfe dieser Bewertungen
  3. Gleichzeitig geben wir Unternehmen eine Plattform, ihre Botschaften als Arbeitgeber zu platzieren und auf sich aufmerksam zu machen
  4. Die Unternehmen kommen so ins Gespräch…
  5. …mit dem Ziel, neue interessante Mitarbeiter zu gewinnen und bestehende Mitarbeiter auch langfristig vom Unternehmen zu überzeugen
  6. Karriereinteressierte freuen sich, wenn sie auf eine Firma aufmerksam werden, die ihre Erwartungen erfüllt – und bestehende Mitarbeiter freut es, wenn sie zu ihrem Arbeitsplatz Feedback geben können
  7. Die zufriedenen neuen bzw. bestehenden Mitarbeiter geben Bestnoten für ihren Arbeitgeber – und weitere Bewerber werden auf die mit einem mittlerweile Top Company-Gütesiegel ausgezeichneten Unternehmen aufmerksam usw.

kununu – ein Virus mit angenehmen Karriere-Effekt ;-)

Gelungenes Beispiel für Virales Marketing:

http://www.youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A

Der kununu-Virus mit Karriere-Effekt:

kununu virus

2010
14
Okt

Social Media für Personaler, Teil 2: kununu GmbH heute in Köln

Die Informationsoffensive zum Thema Social Media geht weiter: Immer mehr Personalverantwortliche erkennen die Notwendigkeit, dass sie aktiv die sozialen Netzwerke bedienen müssen, um auch in Zukunft die besten Leute für ihr Unternehmen zu gewinnen. Das Kommunizieren per Facebook, Twitter, kununu & Co unterliegt jedoch gewissen Spielregeln – diese vermittelt Martin Poreda, Co-Gründer von kununu, der größten Arbeitgeber-Bewertungsplattform im deutschsprachigen Raum. Heute, live, im Rahmen der Management Circle-Reihe in Köln.

Martin Poreda in Köln

2010
22
Sep

Social Media Recruiting – Hype oder sinnvoller Recruitingkanal?

In der XING Gruppe rund um HR Social Media wurde die interessante Frage gestellt ob Social Media ein Hype oder ein sinnvoller Recruitingkanal ist. Herr Wolfgang Brickwedde von ICR (Institute for Competitive Recruiting) postete im Forum den folgenden Beitrag, dessen Beantwortung ich auf diesem Wege auch für die Leser dieses Blogs zugänglich machen möchte (nur falls Sie nicht sowieso XING Mitglieder sind …):

2/3 aller Unternehmen nutzen Twitter, LinkedIn und Blogs überhaupt nicht. Nur etwas über 5 % der Unternehmen geben an, regelmäßig zu twittern um Bewerber zu erreichen bzw. Werbung für sich als Arbeitgeber zu machen. Über Social Media Recruiting kommen bisher ca 8 % der Bewerbungen bzw. Einstellungen zustande. (Quelle: ICR Studie “Quo Vadis Recruitment 2010” unter 6000+ Personalern, insb. ab Slide 25)

Muß man als Unternehmen dabei sein, um dabei zu sein oder kann Social Media Recruiting ein sinnvoller Recruiting Kanal sein?

Wie ist Ihre Meinung und Erfahrungen?

Meine 5 Cent hierzu:

Die Begrifflichkeit „Social Media“ steht heutzutage für 2 Dinge: 1. eine gesellschaftliche Entwicklung und 2. für Tools, die dieser Entwicklung gerecht werden.

Als „gesellschaftliche Entwicklung“ verkörpert Social Media das Bedürfnis von Menschen sich auszutauschen und am Leben anderer teilzuhaben und vice versa. Die Weisheit der Masse und die damit verbundene Machtverschiebung Richtung Marktteilnehmer (Kunde, Arbeitnehmer, Patient etc…) steht erst am Anfang ihrer Entwicklung und ältere Semester müssen erst den Mehrwert erlernen, wobei die Jugend ganz natürlich mit Social Media Tools aufwächst.

Social Media ist quasi als „Gen“ im Großteil der Generation Y verwurzelt und wird als Selbstverständlichkeit angenommen. Hierzu empfehle ich das Tagebuch von Generation Y-lern, denen Prof. Armin Trost für 1 Woche das Internet „weggenommen“ hat und welches veranschaulicht, wie sehr Social Media=Web2.0=Internet zum verbindenden Medium und zum Recherchetool der jungen Generation geworden ist. Von daher – Social Media als „gesellschaftliche Entwicklung“ kann nie und nimmer ein Hype sein – hier stehen wir gar erst am Anfang einer wundervollen Entwicklung, die uns das Leben erleichtern wird.

Die „Tools“, die heute für Social Media stehen – hier in erster Linie Facebook, Twitter und YouTube – sind nur „Erfüllunggehilfen“ bzw. Vehikel von seit jeher bestehenden menschlichen Grundbedürfnissen. Facebook ist hier bereits eine – meiner Meinung nach – uneinnehmbare Festung mit 500 Mio. Mitgliedern bzw. „Einwohnern“ und deshalb bereits nach China und Indien das drittgrößte Land der Erde. Facebook wird ein „Paralleluniversum“ im Internet bilden und es verwundert deshalb nicht, dass sich Google&Co. wegen Facebook gehörig in die Hosen machen.

Social Media Tools werden kommen und gehen – insofern – wird es in Social Media immer Hypes geben. Vielleicht ist Twitter ein solcher, vielleicht ist es Foursquare? Fakt ist: das Bedürfnis in Kontakt mit seinen Mitmenschen zu stehen und neue Bekanntschaften zu schließen (z.B. Facebook), sich zu vernetzen um berufliche Vorteile zu genießen(z.B. XING/LinkedIn), der Austausch von Meinungen und kommentieren von Allerlei (z.B. Twitter) und das Aussprechen von Empfehlungen (z.B. kununu) werden bleiben und sind „hype-resistent“.

Bei genauer Betrachtung der von Ihnen genannten Zahlen, ist Social Media ein „schlafender Riese“. Wenn bloß 5% der dt. Unternehmen Social Media für Recruitingzwecke nutzen und trotzdem schon fast jede 10. Einstellung über Social Media Kanäle erfolgt, so spricht das eher für das riesige Potential dieses Recruitingkanals.

Bedenkt man auch noch die geringen Kosten, die Social Media Engagements im Vergleich zu traditionellen Medien mit sich bringen, so wird Social Media Recruiting – neben Online-Jobboards – zu DEM Recruitingkanal schlechthin werden.

Zugegeben – Social Media muss man beherrschen und verstehen – da ist die Buchung von Stellenanzeigen auf Jobboards viel einfacher. ABER um sich von der Masse der Arbeitgeber, da draußen zu unterscheiden, ist Social Media der einzige gangbare und leistbare Weg – vorallem für die 99% der Unternehmen, deren Produkte nicht so sexy sind, dass diese auf das Unternehmen als „Arbeitgeber“ ausstrahlen.

99% der Unternehmen können sich nur durch ein angenehmes Arbeitsumfeld, ansprechende Arbeitsplätze, nette Kollegen und interessante Aufgabeninhalte profilieren. Die Verbreitung solcher Informationen kann ausschließlich über Social Media Kanäle erfolgen, möchte man eine große Anzahl von potentiellen Bewerbern erreichen. (Nebenbemerkung: Nur in Social Media Medien können die eigenen Mitarbeiter glaubhaft als Unternehmensbotschafter einbezogen werden …)

Ich freue mich darauf, wenn die jungen „Wilden“ im HR das Steuer übernehmen und die Personalmarketing- und Recruitinglandschaft reformieren werden. Ich bin fest davon überzeugt davon, dass dies mehr Authentizität, Ehrlichkeit, Zeit- und Nervenersparnis für Bewerber und Kostenersparnis und passendere Kandidaten für offene Stellen für Unternehmen bringen wird.

Gruss, Martin

2010
02
Aug

Social Media Policy – denn sie wissen nicht was sie tun: Ratgeber für Mitarbeiter zum Umgang mit Postings im Internet

Mit der zunehmenden Bedeutung von Social Media – bzw. nennen wir es doch beim Namen: Facebook, Twitter, Studi-/Mein-/SchülerVZ, Foren, Blogs, kununu & Co. – beobachte ich eine sehr löbliche Entwicklung in Unternehmen: GF/HR/PR/Recht & Marketing sind sich zunehmend ihrer Rolle als Sozialisations-Verantwortliche für die eigenen Mitarbeiter bewusst, und erstellen sog. Social Media Policies für eben diese.

Kurze Begriffserklärung: Eine Social Media Policy regelt den Umgang der eigenen Mitarbeiter – als Mitarbeiter – mit dem Internet (Social Media, Web 2.0 …) und dient als Ratgeber (?) mit eben diesem Medium ganz generell.

In den USA gibt es schon zig-Beispiele für Social Media Policies, im DACH Raum ist das Vorhandensein einer solchen (noch) eher die Ausnahme als die Regel.

Wollen wir wetten, dass „Social Media Policy“-Bestandteile künftig in Arbeitsverträge aufgenommen werden?

Klaus Eck – ein absolut empfehlenswerter Blogger/Buch Autor und Consultant für Online-Reputation hat einen Link zu einer Sammlung von Social Media Policies veröffentlicht und ich habe mir die Mühe gemacht ALLE zu durchzulesen. Aus allen 100 Policies und einigen mir bekannten europäischen Beispielen habe ich den Versuch eines Social Media Policy PROTOTYPEN gewagt und mir aus den besten Policies die Passagen herausgesucht. Hier mein Versuch einer Standard Social Media Policy für JEDES Unternehmen mit wertvollen Tipps für den Umgang mit Social Media als Angestellter eines Unternehmens.

(Vorwort: XY steht für einen beliebigen Unternehmensnamen)

Ratgeber für der richtigen Umgang mit dem Internet für Mitarbeiter von XY

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Wir von XY wissen um die Bedeutung des Mediums Internet und wie es die öffentliche Wahrnehmung über unser Unternehmen, unsere aktuellen und zukünftigen Produkte, Mitarbeiter, Partner und Konsumenten beeinflusst. XY erkennt die Bedeutung von Internet-Tagebüchern (sog. Blogs) und in sozialen Netzwerken (z.B. Facebook, Xing, Twitter) aktiven Mitarbeitern und respektiert diese.
(frei übersetzt aus der Social Media Policy von: about.com)

Die XY Geschäftsführung, Mitarbeiter aus dem Marketing, aus der HR Abteilung, aus der IT, der Rechtsabteilung und der Unternehmenskommunikation haben diesen Ratgeber entwickelt, um Ihnen wichtige Handlungsempfehlungen und Tipps für den richtigen und verantwortungsbewssten Umgang mit dem Internet, zu geben. Beachten Sie bitte, dass einige der Punkte Handlungsanweisungen darstellen und für XY Mitarbeiter bindend sind.
(frei übersetzt aus der Social Media Policy von: Kodak)

1. Der richtige Umgang mit vertraulichen Informationen

Es ist nicht gestattet, vertrauliche Informationen über XY zu veröffentlichen. Diese Informationen können umfassen: Informationen über Patente; Produktentwicklung; Zahlen aus Vertrieb, Finanzen oder Marketing; Mitarbeiterzahlen oder die Unternehmensstrategie. Die Aufzählungen dienen nur als Beispiele und haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, was bei XY als „vertrauliche Information“ gilt.
(frei übersetzt aus der Social Media Policy von: about.com)

2. Veröffentlichung von Inhalten im Zusammenhang mit XY

Sollten Sie zu Internet-Diskussionen im Zusammenhang mit XY beitragen wollen, so identifizieren Sie sich als Mitarbeiter von XY und fügen Sie hinzu, dass Ihr Beitrag Ihre persönliche Sicht widerspiegelt und nicht die von XY.
(frei übersetzt aus der Social Media Policy von: Cisco)

Da Sie für Ihre Beiträge in Foren, Blogs und sozialen Netzwerken zur Verantwortung gezogen werden können, sollten Sie keine beleidigenden, diskriminierenden, rassistischen und vulgären Beiträge verfassen.
(frei übersetzt aus der Social Media Policy von: Cisco)

Sprechen Sie respektvoll über Ihren Arbeitgeber, aktuelle und potentielle Kunden. Beteiligen Sie sich nicht an Hetzkampagnen oder sonstigen Diskussionen, die XY durch Ihre Handlungen schaden könnten.
(frei übersetzt aus der Social Media Policy von: about.com)

Als Mitarbeiter/in haben Sie das Recht, sich privat und auch öffentlich über XY zu äußern – positiv wie negativ. Wenn Sie dies tun, sollten Sie in Ihrem eigenen Interesse und aus Respekt gegenüber der Community möglichst deutlich machen, dass Sie nur aus Ihrer persönlichen Sicht schreiben.
(leicht adaptiert aus der Social Media Policy von: Otto Group)

Missbrauchen Sie nicht die Anonymität des Internets um falsche oder beleidigende Aussagen über Mitbewerber zu verbreiten.
(Bewertungs-policy von kununu.com)

3. Umgangsformen im Internet

Schreiben Sie nichts, was Sie dem Adressaten nicht auch ins Gesicht sagen würden. Drücken Sie deutlich aus, was Sie mit Ihren Beiträgen meinen – geschriebene Worte vermitteln das dahintersteckende Gefühl nur sehr unzureichend und können leicht missverstanden werden. Achten Sie darauf, dass Sie ironisch gemeinte Bemerkungen und auch Humor so kennzeichnen, dass möglichst keine Missverständnisse entstehen. In einem schriftlichen Medium sehen die anderen nichts von Ihrer Mimik und Gestik.
(adaptierte Netiquette des Forums auf kununu.com)

Internet Teilnehmer lernen Sie durch Ihre Beiträge kennen. Bedenken, Sie, dass Sie im Internet eine eigene Persönlichkeit bilden, die für andere Internet Benutzer, wie eine „echte“ Person im wahren Leben wahrgenommen wird. Mit Ihren Beiträgen beeinflussen Sie unter Umständen Entscheidungen anderer – seien Sie sich dieser Verantwortung bewusst.
(adaptierte Netiquette des Forums auf kununu.com)

Denken Sie daran, Urheberrechte anderer – auch die von XY – nicht zu verletzen.
(leicht adaptiert aus der Social Media Policy von: Otto Group)

Sollte Ihnen im Umgang mit dem Internet ein Fehler unterlaufen, so stehen Sie dazu, reagieren Sie prompt und beseitigen Sie Missverständnisse möglichst rasch.
(frei übersetzt aus der Social Media Policy von: IBM)

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Beim Lesen der Social Media Policies sind mir durchgängig folgende Themenschwerpunkte aufgefallen:
1. Umgang mit Firmeninterna
2. Veröffentlichung von Meinungen
3. Bedeutung des eigenen Tuns
4. Respektvoller Umgang miteinander
5. Umgang mit Fehlern
6. Urheberrechte & Schutz

Einige Policies waren derart gestaltet, dass ich nicht einmal Lust hatte, diese auch nur 1 Sek. länger als nötig anzusehen. Hier die häufigsten Fehler beim Verfassen von Social Media Richtlinien:

ZU LANG: Die SMP des U.S. Marine Corps ist z.B. über 4 Seiten lang … für einen RATGEBER wende ich nicht so viel Zeit auf.
ZU KOMPLIZIERT: Einige SMPs waren wie ein Bürgerliches Recht-Kodex verfasst – viiiiiel zu kompliziert für durchschnittlich-mit-Gehirn-gesegnete.
ZU UNVERSTÄNDLICH: Anglizismen und Social Media Vokabular sollte möglichst vermieden werden.

LG, MP

2010
11
Mai