In der XING Gruppe rund um HR Social Media wurde die interessante Frage gestellt ob Social Media ein Hype oder ein sinnvoller Recruitingkanal ist. Herr Wolfgang Brickwedde von ICR (Institute for Competitive Recruiting) postete im Forum den folgenden Beitrag, dessen Beantwortung ich auf diesem Wege auch für die Leser dieses Blogs zugänglich machen möchte (nur falls Sie nicht sowieso XING Mitglieder sind …):

2/3 aller Unternehmen nutzen Twitter, LinkedIn und Blogs überhaupt nicht. Nur etwas über 5 % der Unternehmen geben an, regelmäßig zu twittern um Bewerber zu erreichen bzw. Werbung für sich als Arbeitgeber zu machen. Über Social Media Recruiting kommen bisher ca 8 % der Bewerbungen bzw. Einstellungen zustande. (Quelle: ICR Studie “Quo Vadis Recruitment 2010” unter 6000+ Personalern, insb. ab Slide 25)

Muß man als Unternehmen dabei sein, um dabei zu sein oder kann Social Media Recruiting ein sinnvoller Recruiting Kanal sein?

Wie ist Ihre Meinung und Erfahrungen?

Meine 5 Cent hierzu:

Die Begrifflichkeit „Social Media“ steht heutzutage für 2 Dinge: 1. eine gesellschaftliche Entwicklung und 2. für Tools, die dieser Entwicklung gerecht werden.

Als „gesellschaftliche Entwicklung“ verkörpert Social Media das Bedürfnis von Menschen sich auszutauschen und am Leben anderer teilzuhaben und vice versa. Die Weisheit der Masse und die damit verbundene Machtverschiebung Richtung Marktteilnehmer (Kunde, Arbeitnehmer, Patient etc…) steht erst am Anfang ihrer Entwicklung und ältere Semester müssen erst den Mehrwert erlernen, wobei die Jugend ganz natürlich mit Social Media Tools aufwächst.

Social Media ist quasi als „Gen“ im Großteil der Generation Y verwurzelt und wird als Selbstverständlichkeit angenommen. Hierzu empfehle ich das Tagebuch von Generation Y-lern, denen Prof. Armin Trost für 1 Woche das Internet „weggenommen“ hat und welches veranschaulicht, wie sehr Social Media=Web2.0=Internet zum verbindenden Medium und zum Recherchetool der jungen Generation geworden ist. Von daher – Social Media als „gesellschaftliche Entwicklung“ kann nie und nimmer ein Hype sein – hier stehen wir gar erst am Anfang einer wundervollen Entwicklung, die uns das Leben erleichtern wird.

Die „Tools“, die heute für Social Media stehen – hier in erster Linie Facebook, Twitter und YouTube – sind nur „Erfüllunggehilfen“ bzw. Vehikel von seit jeher bestehenden menschlichen Grundbedürfnissen. Facebook ist hier bereits eine – meiner Meinung nach – uneinnehmbare Festung mit 500 Mio. Mitgliedern bzw. „Einwohnern“ und deshalb bereits nach China und Indien das drittgrößte Land der Erde. Facebook wird ein „Paralleluniversum“ im Internet bilden und es verwundert deshalb nicht, dass sich Google&Co. wegen Facebook gehörig in die Hosen machen.

Social Media Tools werden kommen und gehen – insofern – wird es in Social Media immer Hypes geben. Vielleicht ist Twitter ein solcher, vielleicht ist es Foursquare? Fakt ist: das Bedürfnis in Kontakt mit seinen Mitmenschen zu stehen und neue Bekanntschaften zu schließen (z.B. Facebook), sich zu vernetzen um berufliche Vorteile zu genießen(z.B. XING/LinkedIn), der Austausch von Meinungen und kommentieren von Allerlei (z.B. Twitter) und das Aussprechen von Empfehlungen (z.B. kununu) werden bleiben und sind „hype-resistent“.

Bei genauer Betrachtung der von Ihnen genannten Zahlen, ist Social Media ein „schlafender Riese“. Wenn bloß 5% der dt. Unternehmen Social Media für Recruitingzwecke nutzen und trotzdem schon fast jede 10. Einstellung über Social Media Kanäle erfolgt, so spricht das eher für das riesige Potential dieses Recruitingkanals.

Bedenkt man auch noch die geringen Kosten, die Social Media Engagements im Vergleich zu traditionellen Medien mit sich bringen, so wird Social Media Recruiting – neben Online-Jobboards – zu DEM Recruitingkanal schlechthin werden.

Zugegeben – Social Media muss man beherrschen und verstehen – da ist die Buchung von Stellenanzeigen auf Jobboards viel einfacher. ABER um sich von der Masse der Arbeitgeber, da draußen zu unterscheiden, ist Social Media der einzige gangbare und leistbare Weg – vorallem für die 99% der Unternehmen, deren Produkte nicht so sexy sind, dass diese auf das Unternehmen als „Arbeitgeber“ ausstrahlen.

99% der Unternehmen können sich nur durch ein angenehmes Arbeitsumfeld, ansprechende Arbeitsplätze, nette Kollegen und interessante Aufgabeninhalte profilieren. Die Verbreitung solcher Informationen kann ausschließlich über Social Media Kanäle erfolgen, möchte man eine große Anzahl von potentiellen Bewerbern erreichen. (Nebenbemerkung: Nur in Social Media Medien können die eigenen Mitarbeiter glaubhaft als Unternehmensbotschafter einbezogen werden …)

Ich freue mich darauf, wenn die jungen „Wilden“ im HR das Steuer übernehmen und die Personalmarketing- und Recruitinglandschaft reformieren werden. Ich bin fest davon überzeugt davon, dass dies mehr Authentizität, Ehrlichkeit, Zeit- und Nervenersparnis für Bewerber und Kostenersparnis und passendere Kandidaten für offene Stellen für Unternehmen bringen wird.

Gruss, Martin